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Die Jahrhundert-Champions (Teil 4): Aus Fehlern lernen

Sie überlegen gerade ein neues System für Wissensmanagement einzuführen? Sparen Sie sich das Geld. Auch in Zeiten von Facebook und Twitter braucht es den persönlichen Kontakt. Besonders wenn es um komplexe Vorhaben geht. Wenn beispielsweise ein Ingenieur in Sibirien bei einer Probebohrung Probleme hat, beschreibt er sein Dilemma nicht in einem Computersystem, sondern greift zum Telefonhörer. Die schriftlich Fassung seiner Gedanken ist um ein vielfaches schwerer, als die Absprache mit einem Experten (insbesondere wenn man sich kennt).

Wenn es darum geht nicht ein konkretes Problem zu lösen, sondern generelle Vorgangsweisen zu vermitteln, sind Wissensmanagementsysteme noch sinnloser. Geschichten sind hier ein besonders probates Mittel. Gerne erzählen Unternehmen von ihren heroischen Taten. Der Mitarbeiter des Jahres wird gefeiert, der beste Verkäufer erhält einen Bonus und der Chef erzählt wie der Laden in einer besonders schwierigen Lage mit vereinten Kräften herumgerissen wurde. Solche Anlässe und Geschichten sind wichtig. Sie motivieren und zeichnen den gewollten Weg vor.

Fakt ist aber auch, dass nicht immer alles richtig läuft. Gerne wird ein Fehler oder eine Krise nach deren Überwindung schnell vergessen. Das ist menschlich. Wer erinnert sich schon gerne an verschüttete Milch. Dabei wird aber eine Chance vergeben, aus Fehlern zu lernen. Hinzu kommt, dass die Erfolgsgeschichten aus der Zentrale nicht selten auf Zynismus stossen, während bei Schilderungen von Krisen (und dem daraus Gelernten) die Ohren offen sind.

Die Jahrhundert-Champions sind bereit aus ihren Fehlern zu lernen. Als Shell Ende der 1950er Jahre eine große Umstrukturierung plant, wird die amerikanische Beratungsgesellschaft McKinsey ins Haus geholt. Einer der Vorschläge ist die Installierung eines starken CEOs. In Rückbesinnung auf Henry Deterding wird dies abgelehnt. Henry Detering führte das Unternehmen Anfang des Jahrhunderts mit starker Hand. Kommerziell gelangen unter ihm große Erfolge. Beinahe, wäre aber seine Sympathie für die Nationalsozialisten (die er als Bollwerk gegen den Kommunismus betrachtete) dem Konzern zum Verhängnis geworden. Einigen weitblickenden Personen im Vorstand gelang es den alternden Herrn 1936 zum Ruhestand zu überreden. Problematische Kooperationen konnten damit verhindert werden. Beeindruckend ist, dass das Beinahe-Disaster nicht vergessen wurde. 1961 wurde kein CEO sondern ein Committee of Managing Directors installiert. Die Aussenwelt konnte sich damit nie anfreunden, doch der wirtschaftliche Erfolg gab dem Unternehmen recht. In einer politisch sensiblen Industrie machte es Sinn die Verantwortung auf mehrere Köpfe zu verteilen.

Vergleichsunternehmen BP lernte aus seinen schlimmsten Erfahrungen nur wenig. Die dunkelste Stunde war vermutlich 1951 die Verstaatlichung im heutigen Iran. Über Nacht ging 70% des gesamten Anlagevermögens verloren. Wie Shell hatte das Unternehmen Glück im Unglück. Nach einem Staatsstreich wurde BP weitgehend entschädigt. Aus dieser Erfahrung hätte dem Unternehmen klar sein sollen, dass die Konzentration auf einige wenige Erdölvorkommnisse nicht ratsam ist. Doch eine angemessene geographische Streuung wurde nicht erreicht. 1992 kam es fast zur Bankrotterklärung, als die Felder in Alaska und der Nordsee Produktionsschwierigkeiten hatten. Und wieder wurde daraus nicht ausreichend gelernt. Heute spielt die Partnerschaft mit TNK in Russland eine überproportional wichtige Rolle. Angesichts der russischen Politik mit Rohstoffen ein riskantes Unterfangen. Zuletzt wurde dies deutlich als mit angeblichem Segen des Kremels eine weiter Partnerschaft mit Rosneft fixiert wurde. TNK arbeitete dagegen, der Deal platze letztendlich und BP’s Moskauer Büro wurde von den Behörden durchsucht.

Bleibt die Frage, ob ihr Unternehmen aus Fehlern lernt? Schaffen Sie in Ihrem Umfeld ein Klima, in dem ohne Angst Fehlentscheidungen diskutiert werden?

Mehr Infos zu den Autoren:

Christian Stadler ist Associate Professor für Strategisches Management an der Warwick Business School, England. Philip Wältermann ist in München als Unternehmensberater, Business Angel und Entrepreneur tätig. In ihrem neuen Buch ‚Die Jahrhundert-Champions‘ beschreiben Sie wie Unternehmen langfristig erfolgreich sein können. Regelmäßige Updates finden sie unter http://www.jahrhundertchampions.de/, http://www.facebook.com/Jahrhundertchampions und https://twitter.com/EnduringSuccess.

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