In Idee - Bildung, Idee - Verlag, Mutmacher, V - Strategie

Pearson vollzieht erfolgreich den Wandel vom Buchverlag zum Bildungsdienstleister

Große Buchverlage tun sich schwer, in der “stürmischen See”, in der sie sich gerade befinden, einen rasanten Kurswechsel durchzuführen. Da tun sich kleine StartUps schon viel leichter. Zudem sind heute die Markteintrittsbarrieren für Verlage auch viel geringer als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. So präsentiert auch der eben hier im Blog vorgestellt SuBMoJour-Blog hauptsächlich Beispiele von kleineren Verlagen, die schon eine Antwort oder zumindest eine Teilantwort auf die Internet- und Freeconomic-Revolution gefunden haben. Umso glücklicher bin ich, hier auch auch Erfolgsbeispiele von sog. Dickschiffen präsentieren zu können, die frühzeitig die “Segel richtig gesetzt haben”.

Zu solche einem “Dickschiff” gehört zweifellos der britische Großverlag PEARSON. Und wirklich einfach ist das Umfeld des größten Buchverlages der Welt nicht, der auf eine 168-jährige Tradition zurückblicken kann. Denn es handelt sich dabei um den führenden Schulbuchverlag. Auch und gerade in diesem Bereich werden viele Unterrichtsmaterialien kostenfrei ins Internet gestellt. Und wenn es in einigen Jahren zum Standard gehört, dass Schulkinder mit dem Tablet in den Unterricht gehen, wird vielleicht das klassische Schulbuch irgendwann ganz aussterben bzw. nur noch eine Randerscheinung sein.

Zum Glück hat PEARSON gegen den oben beschriebenen Trend schon frühzeitig gegengesteuert. TechnologyReview schreibt dazu: “Das Geheimnis des Erfolgs ist eine Reihe von geschickten Firmenübernahmen. Mit ihnen konnte Pearson seinen Schwerpunkt vom Buchverkauf auf Bildungsdienstleistungen verlagern. Heute nennt sich der in London ansässige Konzern „world’s leading learning company“. Hierfür hat sich Pearson zum IT-Department fürs Klassenzimmer gewandelt. Es verkauft technische Infrastruktur, Software und Beratungsdienste an Schulen. Darüber kann Pearson nun seinen enormen Bestand an Lehrinhalten weitervertreiben.”

Der Erfolg kann sich sehen lassen: “Die Bildungssparte von Pearson wuchs in den vergangenen vier Jahren um 70 Prozent auf einen Jahresumsatz von sieben Milliarden Dollar. Auch der Gewinn hat sich vergrößert. Dank dieses Zuwachses konnte Pearson das eher mäßige Wachstum seiner beiden anderen Säulen – des Buchverlags Penguin und der Financial-Times-Gruppe – mehr als kompensieren. In diesem Jahr sollen die Umsätze aus digitalen Inhalten erstmals das traditionelle Buch- und Zeitungsgeschäft überflügeln. Fast die Hälfte aller US-Schulen, von Grundschulen bis zu High Schools, nutzen schon irgendeine Pearson-Lernsoftware.”

Das Leistungsspektrum von PEARSON ist mittlerweile nahezu unbegrenzt groß geworden. So bietet PEARSON neben Technik und Content z.B. auch „Lern-Management-Systeme“ an, mit deren Hilfe Lehrer ihren Unterrichtsstoff vorbereiten können. Neben Schülern und Schulen kommen auch immer öfters Universitäten als Kunden hinzu. Die Unis entdecken Online-Kurse als starken Wachstumsmarkt. So hat z.B. die California State University (Cal State), mit 427.000 Studenten der viertgrößte Universitätsverbund der USA, Pearson (bzw. eine Tochtergesellschaft) beauftragt, das 2013 startende Fernstudienprogramm aufzubauen und zu betreuen. Die Unis haben nicht die Ressourcen und das Geld, so etwas selbst aufzubauen.

Pearson hat nicht nur früh den Wandel in seiner Branche erkannt, sondern auch passend darauf reagiert, sprich die richtigen Firmen dazugekauft, um das Leistungsspektrum schnell und umfassend genug ändern bzw. erweitern zu können. Bisher kann sich Person damit sogar den “Luxus leisten”, defizitäre Bereiche zu subventionieren. Und wenn die internationale Expansion so schnell wie erwartet voranschreitet, kann sich Pearson eben beschriebenen Luxus vielleicht noch länger leisten, was die Macher der Financial Times sicherlich freuen würde.

Ich empfehle allen, der TR-Artikel von Jessica Leber “Das Milliardengeschäft mit der Online-Bildung” durchzulesen.

Schreibe einen Kommentar