In V - Uncategorized

Synaxon: Beispiel für Marketing 2012

Martin Oetting beschreibt derzeit seine Vorstellungen, wie er sich Marketing in 5 Jahren vorstellt: „Das Marketing muss künftig den echten interaktiven Dialog mit seinen Zielgruppen verinnerlichen. Jeder einzelne Mitarbeiter muss zu einem Teil diese Dialogaufgabe mit übernehmen, weil letztlich nur auf diese Weise genügend Leute zur Verfügung stehen, um mit den richtigen und mit den wichtigen Kunden einen intensiven Austausch zu pflegen, der diese dann wiederum zu Insidern, Kennern, VIPs, Vertrauten und Vertrauenspersonen der Marke macht. Damit können sie in der Folge nach draußen als Meinungsführer wiederum Teile der Kommunikation gegenüber allen anderen übernehmen. Und so wird Dialog skalierbar, als sich fortpflanzende Welle von Gesprächen (Cluetrain).“

Besonders gut gefällt mir an den Ausführungen von Martin, dass er ein Best-Practice-Beispiel präsentiert, das seinen Vorstellungen schon sehr nahe kommt. Es handelt sich um die SYNAXON AG, die heute mit über 2.600 selbstständigen Partnern und einem Außenumsatz von rund 3 Milliarden Euro die größte IT-Verbundgruppe Europas ist. Die bekannteste Marke von Synaxon ist PC Spezialist, ein bekanntes Franchisesystem im PC Handel. Der erste Schritt in die Marketingzukunft begann mit der Einführung eines internen Wikis. Mutig war der Schritt, keine Wissensbarrieren und insbesondere keine Nutzerhierarchien aufzubauen. Dementsprechend könnte der Praktikant aus der Marketingabteilung auch die Berichte aus der Finanzabteilung einsehen und sogar ändern. Das Ergebnis: Seit dem Start des Wikis hat es bis heute ca. 65.000 Dokumentänderungen gegeben. Keine einzige musste nach Aussagen des CEO bislang von einem anderen Bearbeiter zurückgesetzt werden.

Neben dem internen Wiki hat Synaxon noch mehr Kommunikationselemente eingeführt: Wiki für Franchisepartner, alle Mitarbeiter bekamen den Zugang zum Internet-Content-Managementsystem, auf der Web 2.0 Community Snippr.de können Kunden von dem Anbieter oder anderen Kunden Nutzertipps erhalten und natürlich gibt es auch ein Blog. Besonders ist, dass die Händler Provisionen erhalten, wenn über Snippr PC´s an Kunden aus ihrer Region verkauft werden. Dadurch soll der stationäre Handel bei neuen Vertriebskanälen nicht ausgeblendet werden. Und auch Kunden können bei Verkauf von PC Hardware Geld verdienen, wenn es auf ihre Beratung zurückzuführen ist. Die Provisionen sind allerdings auch hier so lächerlich, dass der Bumerang schnell nach hintern losgehen kann. Insgesamt lautet das Fazit von Martin kurz und prägnant: „Marketing 2012 findet bereits statt. In Bielefeld.“

Finden Sie das o.g. Beispiel radikal? Dann empfehle ich, meinen Artikel „Warum traditonelle Firmen-Webseiten deutlich an Bedeutung verlieren werden?“ aus dem Juli 2007 durchzulesen. Hier prohezeit der Web-Spezialist Jeremiah Owyang folgendes: „Ich sage voraus, dass die relevantesten Websites in der Zukunft sowohl von Kunden als auch von Mitarbeitern aufgebaut sein werden. Die effektivsten Webseiten werden einen ausbalancierten Blick aus Sicht des Produkt-Teams wie auch aus Kundensicht bieten – sogar dann, wenn sie Probleme mit dem Produkt haben. Sie werden nicht länger der Einzige sein, der Inhalte auf Ihrer Website veröffentlicht, Kunden, Interessenten und andere Mitglieder Ihrer Community werden direkten Zugriiff haben und Inhalte auf Ihrer Website veröffentlichen.“ Owyang prophezeit weiter, dass auf der Firmenwebseite auch Informationen über direkte Wettbewerber enthalten sein werden und auch auf diese direkt verlinkt wird.

4 Responses to Synaxon: Beispiel für Marketing 2012

  1. Dieser Bericht bringt die Dinge auf den Punkt: konservative,hierarchische Firmenstrukturen haben keine Zukunft mehr. Es wird noch dauern, bis in den Führungsetagen entsprechend reagiert wird: schließlich werden hier Besitzstände „angekratzt“.
    Wirtschaftsunternehmen, die sich nicht öffnen, die die Meinungsvielfalt und das Innovationspotential der kleinen Gruppen, der Mitarbeiter und Kunden unberücksichtigt lassen, werden dem zunehmenden, internationalen Wettbewerb nicht standhalten können.

  2. […] Passend zum Thema: Burkhard beschreibt, wie die Firma Synaxon ihr Kommunikationswesen aufgerüstet hat. Artikelzusatzinfos 1. Tags: enterprise 2.0, ibm, videocast 2. Related Postings […]

  3. Frank Hamm sagt:

    Frank Roebers, CEO SYNAXON AG, war im Oktober auf den Contentmanager.days in Leipzig, von wo ich live gebloggt habe. Auf meinem Blog ist der Bericht über seine Präsentation „Unternehmenskultur 2.0 – Auswirkungen von Wikis und Web 2.0 Techniken am Beispiel der SYNAXON AG

  4. So klein ist die Welt 🙂

    Auf den Contentmanagerdays in Leipzig sahen wir nach Franks Session noch den wahnsinnig interessanten Vortrag Dr. Peter Schütt von IBM. Witzigerweise hat Robert Basic mit Brückenschlag über diesen Artikel heute in Zusammenhang eines Mini-Lunch-Podiu…

Schreibe einen Kommentar