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Restaurant Nobelhart & Schmutzig verlangt zwei verschiedene Preise für die gleiche Leistung

Viele Restaurants haben damit zu kämpfen, dass sie unterschiedlich stark ausgelastet sind. Während wochentags und zur Mittagszeit meistens mehrere Tische nicht besetzt sind, könnten am Wochenende die Tische häufig gleichzeitig mehrfach belegt werden. Das ist ein Problem, da die Fixkosten an allen Tagen vergleichbar hoch sind. Deshalb bieten viele Restaurants eine Mittagskarte mit günstigen Preisen (im Vergleich zur Abendkarte) an, um auch mittags gut nachgefragt zu werden. Dafür wird aber auch häufig am Essen gespart, so dass den niedrigeren Einnahmen auch niedrigere Materialkosten gegenüber stehen.

Andere Restaurants reagieren auf die niedrige Nachfrage zur Mittagszeit (in der Woche), indem sie mittags gar nicht öffnen. Das reduziert zwar die Personalkosten, nicht aber die Mietkosten für das Restaurant. Trotzdem haben auch diese Restaurants mit unterschiedlichen Auslastungsquoten zu kämpfen. So erging es einige Jahr nach Eröffnung auch dem Berliner Szene-Restaurant „Nobelhart & Schmutzig“.

Als die Anfangs-Hype verflogen war, blieben auf einmal am Dienstag und Mittwoch gelegentlich ein paar der 40 Plätze frei, so dass an diesen Tagen zu wenig hängen blieb. Aus Kostengründen kam auch keine Preissenkung an diesen Tagen in Frage. Deshalb kamen die Restaurantbetreiber auf die Idee, umgekehrt die Preise für die hochfrequentierten Tage zu erhöhnen. Ab dem Mai 2018 verlangt nun das Restaurant jeden Donnerstag, Freitag und Samstag und vor gesetzlichen Feiertagen für die Speisenfolge von zehn Gängen einschließlich Brita-Tafelwasser € 120. Am Dienstag und Mittwoch bleibt alles beim Alten, also bei € 95.

Mit der Entscheidung, zwei verschiedene Preise für die gleiche Leistung anzubieten, gingen die Inhaber einen für die Gastronomie neuartigen Schritt, der in vielen anderen Branchen die Regel ist: Ist die Nachfrage hoch, steigt der Preis für das Zimmer, ist sie niedrig, wird es günstiger. Um es allerdings für die Kunden nicht zu kompliziert zu machen, hat sich „Nobelhart & Schmutzig“ für die einfache Zweipreis-Lösung entschieden. Da das Pricing auch heute noch gilt, zeigt es, dass die Erfahrungen wohl sehr positiv waren und sich damit nachhaltiger Erfolg eingestellt hat.

Überlegen Sie auch einmal, wie Sie mit dem Instrument der Preisdifferenzierung den Gewinnturbo für Ihr Business einschalten können. Überprüfen Sie zudem Ihr Ertrags- bzw. Einnahmenmodell. Auch hier können häufig verborgene Schätze gehoben werden.

Weitere Ideen gefällig? Die in Los Angeles ansässige Restaurant-Kette Everytable kam zum Beispiel auf die Idee, die Verkaufspreise abhängig von der Kaufkraft in der Nachbarschaft festzulegen. So kostet das gleiche Essen im Restaurant in der Innenstadt doppelt so viel wie in South Los Angeles. Damit subventioniert das Restaurant in der Innenstadt das Restaurant im Süden von Los Angeles. Clever!

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