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Werner Wiesner: Der Pionier der Energiesparlampen hat viel zu erzählen

Das Handelsblatt widmete vor kurzem dem 66jährigen Vollblutunternehmer Werner Wiesner einen langen Artikel unter der Überschrift „Auf Al Gores Spuren„. Werner Wiesner kann sich zu Recht als Pionier auf dem Gebiet der Energiesparlampen bezeichnen, nachdem er schon im Jahr 1994 die Firma Megaman gründete, die in China Energiesparlampen produziert und weltweit verkauft. Bei der Firma handelt es sich um einen echten Familienbetrieb. Seine Frau ist die Hauptgesellschafterin, sein Sohn Geschäftsführer von Megaman. Ganz bescheiden merkt Werner Wiesner an, dass er nur Berater dieses Familienunternehmens sei. In Wirklichkeit ist er der ThinkTank und Macher hinter diesem Unternehmen.

In dieser Woche war Werner Wiesner bei Prof. Faltin im Labor für Entrepreneurship zu Gast. Ganz nach dem Motto „Ein Unternehmer, der viel erlebt hat, kann viel erzählen“ hat der quirlige Unternehmer fast 80 Minuten über sein Leben berichtet, obwohl nur 30 Minuten vorgesehen waren. Sein großes Vorbild war Josef Neckermann, von dem er seit seiner Lehrzeit bei Neckermann viel gelernt hat. Schon schnell zeigte er bei Neckermann unternehmerischen Sinn und entdeckte russische Ferngläser, die nur 10 % der deutschen Ferngläser kosteten und in Stiftung Warentest sehr gut abschnitten. Im Rahmen seiner Karriere bei Neckermann erfand er viele Geräte, obwohl er als Kaufmann und nicht als Ingenieur ausgebildet war. Er war aber auch verkäuferisch sehr erfolgreich. In seinem Geschäftsbereich (Foto / Kino / Optik) steigerte er innerhalb von 10 Jahren die Umsätze von 9,5 auf 280 Mio. DM.

Als Karstadt in den 70er Jahren Neckermann übernommen hat, stieg er aus, weil er sich mit der neuen Geschäftspolitik nicht identifizieren konnte. Mit einem guten Freund baute er einen sehr erfolgreichen Großhandel für Quarzuhren mit einem deutschen Marktanteil von 30 % auf. Aus gesundheitlichen Gründer verkaufte er 1992 sein Unternehmen und hatte anschließend ein Berufsverbot in diesem Geschäftsbereich. Durch einen Freund bekam er Berührung zu dem Thema Energiesparlampen. Dieser Bereich hat den quirligen Unternehmer schnell begeistert, so dass er mit seiner Familie in dieses Business eingestiegen ist.

Heute kann der visionäre Unternehmer gar nicht so schnell produzieren, wie die Nachfrage weltweit ansteigt. Egal ob Kuba, Australien oder Deutschland. In allen Ländern explodiert die Nachfrage nach den Sparlampen. Neben den günstigen Preisen und einmaligen Innovationen, die patentiert sind, hat der findige Unternehmer die alte Form der Glühlampe wiedererfunden, weil die Käuferinnen Vorbehalte gegenüber der Leuchstoffröhre haben, die sonst für Energiesparlampen typisch sind.

Wiesner ist aber nicht nur ein Tüftler, sondern auch ein kleines Marketinggenie. Anstatt teure Werbekampagnen zu starten, entwickelt er kreative Kampagnen zum Nulltarif. So hat er am 1. April eine Pressemitteilung herausgegeben, in der er über einen neue Energiesparlampe (Öko Solar) berichtet hat, die das Licht wieder in Energie umwandeln könnte und damit keinen Energieverbrauch mehr verursachen würde. Viele Zeitungen sind auf den Aprilscherz hereingefallen und haben über diese angebliche revolutionäre Erfindung berichtet. Auch seine Weihnachtskarten sind so einzigartig, dass sie von seinen Kunden gesammelt werden. Als Al Gore sein Buch über die bevorstehende Klimakatastrophe herausbrachte, fügte er einigen Seiten über seine Firma ein und schenkte dieses „Werbebuch“ allen seinen Kunden.

Gefragt nach seinen Erfolgsrezepten als Unternehmen gab er im Interview eine vielschichtige Antwort. Zuerst einmal müsste man von der Materie begeistert sein, mit der man sich beschäftigen würde. Man müsste quasi der beste und begeisterste Kunde der eigenen Produkte sein. Als Unternehmer dürfe man aber erst durchstarten, wenn man überzeugt sei, dass man den Kunden etwas anbieten kann, was sie brauchen aber noch keiner bieten kann. Zweifel dürften beim Start nicht mehr bestehen. Ansonsten muss man nach vorne schauen und sich nicht zu viel Gedanken über Fehler der Vergangenheit machen.

Weiterhin sei es wichtig, Storytelling zu betreiben. Konkret muss man dem Kunden erklären, was man mit dem Produkt anfangen kann und warum es so gut ist. Und letztlich machen hier meist die kleinen Details den großen Unterschied. Und ganz wichtig sei es, die Mitarbeiter zu fordern und sie bei guter Leistung zu belohnen. Sein alter Mentor Josef Neckermann warf jedem Mitarbeiter, der eine gute Idee hatte, eine Mark als Belohnung zu.

Ich gebe ehrlich zu, dass ich diesen erfahrenen Vollblutunternehmern mit Begeisterung und Herz am liebsten zuhöre. Da kommt wirklich etwas Einzigartiges rüber. Bei vielen jungen Unternehmern habe ich häufig den Eindruck, dass sie nur nachplappern. Die erfahrenen, etablierten Unternehmer dagegen sind gelebte Authenzität. Und genau das kommt rüber. Ich kann nur sagen: Mehr von diesen Interviews mit gestandenen Unternehmern! Für jeden Fan von echten Unternehmerstories ist dieses Interview mit Wiesner Pflicht!

6 Responses to Werner Wiesner: Der Pionier der Energiesparlampen hat viel zu erzählen

  1. Burkhard,
    vielen Dank für diesen Super Tipp.
    Ich wollte eigentlich mir schon vor die Glotze setzen, bin dann aber noch mal meine Feeds durchgegangen und stieß auf Deinen Beitrag.
    Die gute Stunde hat sich voll gelohnt.
    Ich kann mich Deiner Meinung nur anschließen. Solche Unternehmer-Vorstellungen brauchen wir mehr!

  2. Gerade in der heutigen Web 2.0 Hysterie sind solche Unternehmerinterviews sehr erfrischend.

  3. […] Dank Burkhard Schneider vom best-practice-business Blog bin ich soeben über ein neues Video von Prof. Faltin “gestolpert”. Es zeigt ein Interview mit Werner Wiesner, dem Motor hinter Megaman. […]

  4. […] Megaman diesen Fehler, indem er Energiesparlampen im “alten Design” anbietet. Wir haben hier ausführlich darüber […]

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