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Lessons learned: Wie Bonne Maman Marktführer für Marmelade in Frankreich geworden ist

Wussten Sie schon, dass das mittelständische Unternehmen Andros mit Sitz in Biars-sur-Cère im Südwesten Frankreichs mit einem Umsatz von über 200 Mio. EUR und einem Marktanteil von mehr als 35 % Marktführer für Marmelade in Frankreich ist? Nur wenige kennen den Namen des Unternehmens, aber fast alle kennen die Marmeladenmarke „Bonne Maman“, die von dieser unscheinbaren Firma hergestellt wird. Die Inhaberfamilie gibt sich so zugeknpüft wie die Brüder Albrecht in Deutschland. Auf 300 Mio. Euro schätzt das französische Wirtschaftsmagazin „Challenges“ das Vermögen der Familie, die damit zu den 100 reichsten Familien Frankreichs gehört. Wie kam es dazu, dass die Firma Andros Ihre Umsätze gegen den Markttrend kontinuierlich steigern konnte und selbst Konzernen wie Danone, Nestle und Co. das Fürchten lehrt. Ich habe sechs Erfolgsfaktoren herausgearbeitet:

  1. Du brauchst häufig Geduld, selbst wenn Du eine gute Geschäftsidee hast
    Jean Gervoson, der in die Familie des Pflaumengroßhändlers Chapoulard einheiratet, hatte im Jahr 1959 die Idee, aus den unverkauften Früchten Marmelade herzustellen und unter dem Namen Andros zu verkaufen. Die Nachfrage war allerdings sehr gering, weil fast alle Französinnen ihre Marmelade selbst herstellten. Erst mehr als zehn Jahre später, als die jungen Französinnen nicht mehr den ganzen Tag am Herd stehen wollten, stellte sich der Verkaufserfolg der industriell hergestellten Marmelade ein. Manchmal muss man eben viel Geduld haben, bis sich eine gute Idee auch am Markt durchsetzt.
  2. Positioniere Dich konsequent und nachhaltig
    Jean Gervoson hatte das Ziel, dass seine Marmelade so gut wie bei Muttern schmecken würde. Deshalb verkaufte er seit 1971 die Marmelade unter der Marke „Bonne Maman“ („gute Mama“). Name, Herstellung und Verpackung der Konfitüren erinnerten von Beginn an an selbst gemachte Marmeladen. Weil die Marke vom Hersteller „authentische“ gelebt wurde, blieben die Konsumenten auch dann der Marke treu, als große Konzerne mit großem Marketingbudget versuchten, sie abzuwerben.
  3. Finde die richtige Markteinführungsstrategie
    Als mittelstandisches, familiengeführtes Unternehmen hatte Andros kein großes Marketingbudget, um sich in Kürze durch aufwendige Werbung beim Konsumenten bekannt zu machen. Vielmehr entschied man sich, bevorzugt Hotels in ganz Frankreich mit der Marmelade zu beliefern. So wurde die Marke bei in- und ausländischen Konsumenten schnell bekannt. Mittlerweile wird ein Drittel der Marmelade ins Ausland exportiert.
  4. Achte als Qualtitätsführer immer auf Deine Qualität
    Die Firma Andros entschied sich früh, Qualitätsführer in seinem Segment zu werden. Trotz des höheren Preises greifen die Konsumenten im Supermarktregal nach „Bonn Maman“-Marmelade. Das liegt nicht zuletzt an den strengen Auswahlkriterien für die Lieferanten. Nur das beste Obst ist gut genug für diese Marmelade. Ständige Kontrollen sollen sicherstellen, dass keine Pestizide oder andere Schadstoffe im Rohmaterial enthalten sind. Die Marmeladen werden grundsätzlich aus frischem Obst und ohne Konservierungs- oder andere Zusatzstoffe hergestellt.
  5. Sitz Deine Fehler nicht aus, sondern lerne aus ihnen
    Vor einigen Jahren führte die Firma Andros auch eine kalorienreduzierte Marmeladensorte ein. Das erwies sich schnell als Flop. Deshalb wurden diese Marmeladensorten schnel aus den Regalen entfernt. Man erkannte schnell, dass kalorienreduzierte Marmeladen nicht zum Markenimage und Zielgruppe passten. Schliesslich kam zu Großmutters Zeiten auch keiner auf die Idee, die Marmelade zu „kastrieren“, auf Kosten des Geschmackes.
  6. Erweitere Dein Produktsortiment, ohne Deine Positionierung zu verlassen
    Unter der Marke „Bonn Mama“ wird längst nicht mehr nur Marmelade verkauft. Vor zwölf Jahren launchte Andros seine eigene Gebäcklinie. Im Gegensatz zu den Großkonzernen kann Andros seine Umsätze in der Gebäcksparte kontinuierlich und beachtlich steigern. Noch erfolgreicher ist man mit den Dessert, die seit 2008 verkauft werden. Mittlerweile ist Andros in diesem Segement bereits die Nummer zwei hinter La Laitière von Nestlé. Wie bei den Konfitüren setzt Bonne Maman auch bei seinen Keksen und seinen Desserts auf altbewährte Rezepte, frische Zutaten und verzichtet auf Konservierungs- und Zusatzstoffe.

Heute bekommt die Firma Andros sehr viel Rückenwind, da sich die Konsumenten wieder auf das Altbewährte, Natürliche und Hausgemachte zurückbesinnen. Die wahre Leistung besteht aber darin, seit Jahrzehnten erfolgreich zu sein, obwohl große Konkurrenten und verändertes Konsumentenverhalten nicht immer für Rückenwind sorgten. Aber nicht nur die Konsumten lieben Bonn Maman. Die Firma Andros stellt bis auf wenige Ausnahmen alle Produkte in Frankreich her. Arbeitnehmer und der Staat freuen sich darüber auch sehr.

Gefunden in Welt-Online.

2 Responses to Lessons learned: Wie Bonne Maman Marktführer für Marmelade in Frankreich geworden ist

  1. Sven sagt:

    *Seufz* das erinnert mich an meine Jugendurlaube mit meinen Eltern in Frankreich in den 80ern, wo ich als kleiner Spross schon auf diese Marmalade abgefahren bin. Ein Baguette am Morgen mit Bonne Maman eins mit Rondelé Frischkäste Zwiebel! 🙂 Herrlich!
    PS: Warum gibts Rondelé eigentlich nicht in .de sollte mal jemand importieren!!!

  2. Walter sagt:

    Um mit Produkten oder Dienstleistunugen erfolgreich zu sein, muss man immer vorher eine Kundenbefragung durchführen.

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