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Buchbesprechung: Auf der Suche nach Erfolgsrezepten

Vor vielen Jahren habe ich in einem Vortrag gesessen, in dem der Existenzgründungsberater der DEHOGA Baden Württemberg wichtige Infos für Gründer in der Gastronomiebranche zum Besten gab. An sein Eingangsstatement kann ich mich heute noch erinnern, als ob es gestern war: „Ich darf Sie herzlich begrüßen und dazu beglückwünschen, dass Sie sich entschieden haben, 80 Stunden die Woche zu arbeiten, das bei 5 EUR Stundenlohn und mit einer Wahrscheinlichkeit von 65 %, in spätestens drei Jahren gescheitert zu sein!“. Das konnte die meisten Zuhörer nicht schocken und so verließen nur wenige den Raum. Spätestens jetzt war allen klar, dass es kein Zuckerschlecken wäre, einen eigenen Gastronomiebetrieb zu eröffnen.

Trotzdem gibt es immer wieder Erfolgsstories, die Mut machen. Jean-Georges Ploner, Trainer und Berater in der Gastroszene und Tobias Jäkel, Mitgründer von Mosch Mosch, haben sich auf den Weg gemacht und die Erfolgs-Gastronomen im deutschsprachigen Raum ausfindig zu machen. Die Ergebnisse haben sie in ihr jüngst erschienenes Buch „Auf der Suche nach Erfolgsrezepten“ gepackt. Ich brauche sicherlich nicht lange zu erläutern, dass das Buch genau nach meinem Geschmack ist. Nach einer längeren Einführung werden 10 Erfolgsgastronomen vorgestellt und anschließend 7 Erfolgsregeln aufgestellt.

Spannend finde ich, nach welchen Kriterien die Erfolgsgastronomen ausgesucht wurden:

  • Es muss sich um ein inhabergeführtes Unternehmen handeln.
  • Interviewpartner musste der Gastronom sein, der an der Gründung maßgeblich beteiligt war.
  • Der Gastronomiebetrieb musste mindestens 7 Jahre bestehen und der Umsatz eine Grenze von mind. 5 Mio. EUR überschritten haben.
  • Die Unternehmer sollten geografisch möglichst flächendeckend verteilt sein.
  • Die Gastronomen mussten Zeit für ein zeitintensives Interview mitbringen.
  • Die Gastronomen sollten durch Preise und Ehrungen eine Reputation in der Branche erarbeitet haben.

Etwas schade finde ich, dass die Vorstellung der 10 Erfolgsgastronomen in diesem Buch etwas zu kurz kommt. Jeder dieser Erfolgsunternehmer wird leider nur auf zwei Seiten kurz vorgestellt. Dafür fällt die Beschreibung der 7 Erfolgsfaktoren üppiger aus und im Rahmen dieser Beschreibung werden auch viele Erfolgsbeispiele der 10 angeführten Gastronomen aufgeführt. Das ist ein Kompromiss, mit dem man leben kann, weil man weiß, dass Gastronomen wenig Zeit haben und deshalb das Buch von der Seitenzahl entsprechend kurz ausgefallen ist. Etwas ernüchternd sind dafür die 7 Erfolgsregeln, die sich etwas sehr nach Binsenweisheiten anhören:

  • Übung macht den Meister – Übung, Fleiß und bedingungsloser Einsatz sind entscheidend
  • Der Kunde ist König – Die konsequente Umsetzung dieser Binsenweitheit macht den Unterschied
  • Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser – Die richtige Mischung aus System und Freiheit ist entscheidend (bei Gastronomieketten)
  • Wie der Herr, so das Gscherr – Der Gastronom muss ein Leader sein
  • Der Mensch lebt nicht von Brot allein – Leitbilder und Werte sind entscheidend
  • Schuster, bleib bei deinen Leisten – Konzentration auf das Wesentliche und die Stärken
  • Drum prüfe, wer sich ewig bindet – Geschäftspartnerschaften führen meist zum Erfolg, wenn die Wellenlänge stimmt

Auch wenn alles sehr banal klingt, empfehle ich jedem Gastronom, diese 7 Kapitel rund um die Erfolgsregeln intensiv durchzuarbeiten. Denn hier geht es lebendig zu. Und manchmal besteht die Kunst einfach darin, die Menschen wieder auf das Wesentliche hinzuweisen, wenn auch noch so banal klingt. Das gelingt den beiden Autoren aus meiner Sicht sehr gut. Sehr gute finde ich auch, dass zum Schluss noch ein Blick von außen gewagt wird. Die beiden Autoren haben neben den zehn Erfolgsgastronomen auch Vertreter aus dem Brauereigewerbe befragt, die meist sehr große Kreditgeber und intime Kenner der Gastronomieszene sind. Demnach sei das Gastgeber-Gen, gute Qualität, zeitgemäße Angebote, guter Service, der Standort und Mut für Neues erfolgsentscheidend.

Insgesamt handelt es sich um eine leicht verdauliche Lektüre, die man entspannt in ca. zwei Stunden durchlesen bzw. durcharbeiten kann. Die vielen Bildimpressionen sind der wahre Augenschmaus. Sehr erfreulich finde ich, dass in diesem Buch viele Erfolgsgastronomen vorgestellt werden, die ich persönlich noch gar nicht wahrgenommen habe. Deshalb werde ich mir den einen oder anderen herauspicken und in einem separaten Posting gesondert vorstellen. Daneben werden in diesem Buch natürlich auch die üblichen Verdächtigen wie Kent Hahne (Vapiano) und Klaus Kobjoll (Schindlerhof) vorgestellt. Wenn es der Wahrheitsfindung dient, kann ich auch damit leben 🙂

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