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Britische Buchhandelskette Waterstones kooperiert mit Amazon beim Vertrieb von Ebooks und Ebook-Readern

Die guten alten Plattenläden sind nicht nur hier in Deutschland so gut wie ausgestorben. Tom Hillenbrand sagt in seinen „zehn steilen Thesen zum EBook“ voraus, dass den Buchläden das gleiche Schicksal droht. James Daunt, Geschäftsführer der britischen Buchhandelskette mit 300 Läden, die jeweils durchschnittlich 30.000 Bücher im Sortiment haben, kämpft gegen diesen Trend an. Dafür ist er eine Kooperation mit Amazon, dem Erzfeind des traditionellen Buchhandels, eingegangen.

In Zukunft sollen in seinen Buchhandlungen Kindle-EBook-Reader von Amazon verkauft werden. In allen Shops soll es kostenfreien WLAN-Zugang geben, so dass die Kunden in einem spezielle EBook-Shop stöbern können, der in Kooperation mit Amazon erstellt wurde. Damit die Kunden dazu animiert werden, in der Buchhandlung in Ebooks zu stöbern, werden Cafe-Ecken (wie wir das hierzulande z.B. von Hugendubel kennen) eingerichtet, damit sich die Kunden die Bücher bei einem Glas Kaffee, Tee oder Obstsaft in Ruhe anschauen können.

Da stellt sich die Frage, warum Waterstones nicht selbst einen Ebook-Store aufgebaut und einen EBook-Reader entwickelt hat? Die Antwort vom Geschäftsführer James Daunt lautet so einfach wie logisch: Sie wollten sich auf ihr Kerngeschäft und ihre Stärken konzentrieren und andere Leistungen zusammen mit einem starken Kooperationspartner anbieten, der schon marktreife Lösungen anbieten kann. Und da war der nächste Schritt zu Amazon nicht mehr weit. Aus der Sicht von James Daunt wird das gebundene Buch nicht aussterben.

Ich habe leider nicht erfahren können, welche Zahlungen Amazon im Rahmen dieser Kooperation leistet, aber ich kann mir vorstellen, dass sie sich diese Kooperation etwas kosten lassen. Denn die Alternative wäre, dass Amazon genauso wie Apple & Co. Flagshipstores aufbauen, um die Kunden vor Ort bedienen zu können. Da ist es natürlich lukrativer, mit einer großen Buchhandelskette zu kooperien, um mit einem Schlag in 300 Buchhandlungen vertreten zu sein. Mehr Infos zur Kooperation gibt es bei etailment und Guardian.

Ich persönlich bin skeptisch, ob Waterstones allein durch die Kooperation mit Amazon langfristig überleben kann oder evtl. doch eine große Zahl der Läden abstossen muss oder ganz neue Geschäftsfelder erschliessen muss, wie ich das z.B. vor kurzem am Beispiel des „Lädchen für alles“ skizziert habe. Evtl. kann man sich auch an bestehenden Mischlösungen orientieren und z.B. in einer Buchhandlung für Kochbücher eine Kochschule integrieren. Oder eine Reisebuchhandlung integriert eine Touristeninformation, ein Reisebüro, eine Servicebüro einen Fluglinie etc. Wichtig ist nur, in die richtige Richtung zu schauen und loszulaufen.

Insgesamt muss man aber kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass viele Buchhandlungen im Laufe der Jahre „auf der Strecke“ bleiben werden, weil das EBook die Branche grundlegend verändern wird. Ich bin z.B. auch der Meinung wie Tom Hillebrand, dass die Vertriebsstellen für EBooks eher im Internet zu Hause sein werden und dass dafür ganz neue Segmente wachsen werden, wie Kleinstverlage im Rahmen des SelfPublishing. Und natürlich wird die Entwicklung in den einzelnen Ländern unterschiedlich schnell von statten gehen. Wir in Deutschland sind hinsichtlich des EBook-Trends eher Nachzügler. Mehr Informationen dazu gibt es oben in der Slideshare-Präsentation vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Der Slideshare-Präsentation des Börsenverein des Deutschen Buchhandels kann man entnehmen, dass 28 % der Buchhandlungen in Deutschland im Jahr 2011 Ebooks und 24 % EBook-Reader angeboten haben. Diese Zahlen sollen sich in diesem Jahr verdoppeln. Das ist deshalb interessant, weil der Umsatzanteil von Ebooks bei Buchhandlungen im Jahr 2011 bei 0,5 % lag und 2012 bei ca. 1,2 % liegen wird. Skeptisch sind die Buchhandlungen, weil die Nachfrage der Kunden angeblich noch zu gering sei und zudem die Gewinnmargen viel zu niedrig seien, vor allem im Verglich zu den Anfangsinvestitionen, die damit verbunden wären, EBooks ins Sortiment aufzunehmen. Kein Wunder ist, dass die großen Buchhandlungen Vorreiter dabei sind, EBooks ins Sortiment aufzunehmen.

Interessant ist auch die Graphik von Statista auf Basis der Prognosen von PWC. Demnach hinken wir in Europa im Verhältnis zu den USA beim EBook-Umsatz auch in den nächsten Jahren noch deutlich hinterher. Woran liegt das? Neben der geringen Technikaffinität in Europa könnte es auch daran liegen, dass wir noch in Ländern wie Deutschland die Buchpreisbindung haben. Damit sind die Verlage hier in Deutschland deutlich eingeschränkter darin, variable Pricingmodelle zu verfolgen. Das „Bezahl-was-Du-willst“-Prinzip ist hierzulande leider verboten. Ich empfehle zur Lektüre das Portal „Buchpreisbindung“.

One Response to Britische Buchhandelskette Waterstones kooperiert mit Amazon beim Vertrieb von Ebooks und Ebook-Readern

  1. […] im letzten Artikel erwähnt, werden in Zukunft immer mehr Bücher im Self-Publishing-Stil herausgegeben. Und das gilt nicht nur […]

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