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So sieht der Einkauf im Supermarkt von morgen aus

Schon im Jahr 2006 habe ich hier im Blog anhand des Future Stores Rheinberg aufgezeigt, wie die Zukunft des Einkaufens aussehen könnte. Seit einigen Jahren übernimmt das Innovative Retail Laboratory (IRL) diesen Job. Dabei handelt es sich um ein anwendungsnahes Forschungslabor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), das in der Zentrale der GLOBUS SB-Warenhaus Holding in St. Wendel eingerichtet ist.

Das DFKI hat auch auf der diesjährigen CEBIT viele Anwendungen für den Supermarkt der Zukunft präsentiert. Das habt Ihr verpasst? Kein Problem, auf der IRL-Webseite werden die Forschungsthemen kurz vorgestellt. Jeweils wird in einem Kurz-Video erläutert, wie alles funktioniert. Diese Infos nutze ich gerne, um Euch hier aufzuzeigen, wie der Einkauf von morgen im Supermarkt aussehen könnte. Ergänzt werden die Infos um Erklärvideos. Viel Spaß:

Intelligenter Kühlschrank
Der intelligente Kühlschrank hilft mir dabei, meinen Einkaufszettel zu erstellen. Er kann anzeigen, welche Produkte, die ich regelmäßig verzehre, fehlen oder welche Produkte ich noch brauche, um Kochrezepte nachkochen zu können. Selbst im Supermarkt habe ich Zugriff auf die Einkaufsliste, die mir der Kühlschrank erstellt hat. Aber dieser Kühlschrank kann noch mehr. Er kann mir zu jedem Produkt Nährwertangaben und Herstellerinformationen zur Verfügung stellen sowie basierend auf den Inhalt Rezeptvorschläge machen. Er warnt mich auch unmittelbar vor Erreichen des Verfallsdatums von Produkten. Und er kann mir sogar den zurückgelegten Lieferweg der Produkte anzeigen und aufzeigen, ob die Kühlkette unterbrochen wurde. Das alles machen RFID-Funkchips und Sensoren in der Verpackung der Produkte und eine RFID-Antenne im Kühlschrank möglich.

Smart Cart – Intelligenter Einkaufswagen
Die zu Hause am intelligenten Kühlschrank erstellte Einkaufsliste kannauf den instrumentierten Einkaufswagen SmartCart geladen und dort anzeigt werden. Eine Identifikation des Nutzers kann via Fingerabdruck erfolgen. Der Einkaufswagen muss zum Abrufen der Einkaufslisten über Zugang zum Internet, USB und einen Fingerabdrucksensor sowie einen Touchscreen verfügen. Zur Erkennung der Produkte braucht SmartCart RFID-Lesegeräte. Im nächsten Schritt ermittelt der Einkaufswagen seine Position im Markt und navigiert einen zu den Produkten auf der Einkaufsliste. Die Navigation im Markt kann über verschiedenen Methoden gelöst werden. So kommen RFID-Tags im Boden und Lesegeräte am Einkaufswagen in Frage, aber auch zahlreiche andere Möglichkeiten der Indoor-Navigation. Der SmartCart erkennt automatisch alle im Wagen befindlichen Produkte und streicht sie von der Einkaufsliste des Kunden.

Intelligente Käsetheke
Der Einkauf an der Käsetheke ist eine Geschichte von Missverständnissen. Häufig dauert es länger, bis der Verkäufer erkannt hat, auf welches Käsestück ich konkret gezeigt habe. Die intelligente Käsetheke will das ändern. Mit Hilfe einer über der Frischetheke angebrachte Tiefenkamera erkennt der Verkäufer zentimetergenau, auf welche Käsesorte der Kunde zeigt. Die Displays an der Waage präsentieren Käufer und Verkäufer nochmals ausführliche Informationen zum ausgewählten Käse. So kann der Verkäufer gleich noch einen Tipp geben, welcher Wein zu diesem Käse am besten passt. Das verbessert den Service und sorgt für Zusatzverkäufe.

Mobile Produktlupe
Die Kunden können sich auf einem mobilen Endgerät den Packungsinhalt dreidimensional anzeigen lassen, um sich über das Aussehen und die Beschaffenheit des Produktes ein Bild machen zu können. Und natürlich können auch Produktvideos abgespielt werden. Zudem kann die Produktlupe Verbindung zu einem Internetforum herstellen, in denen die Produkte besprochen und bewertet werden. Noch wichtiger: Jeder kann ein persönliches Profil mit Vorlieben und Unverträglichkeiten anlegen, um vor bestimmten Produkten gewarnt zu werden. Die Technik: Die mobile Produktlupe wird als kleines Programm (Applikation) auf einem herkömmlichen Smartphone mit Kamera installiert. Über die Kamera am Smartphone wird das Produkt vom Gerät erkannt. Es handelt sich hierbei um ein rein optisches Verfahren, basierend auf SIFT, einem Algorithmus zur Bilderkennung.

Easy Checkout
Der Einkauf endet an der Kassse. Wie sinnflutlich mutet es da noch an, alle Produkte aus dem Einkaufswagen auf das Förderband legen zu müssen? Das soll in Zukunft anders funktionieren: In Zukunft soll der Kunde an der Kasse durch eine RFID-Schleuse gehen können, wo Produkte im Einkaufswagen oder -korb vom Kassensystem automatisch erkannt werden. Nach Bestätigung durch die Kassiererin kann der Kunde bargeldlos mit seiner Kundenkarte, einer Applikation auf einem mobilen Gerät oder per Fingerabdruck bezahlen. Der ausgedruckte Kassenbon enthält neben den üblichen Angaben zusätzlich einen 2D-Barcode (QR-Code), wodurch er auch in digitaler, also papierloser Form, mitgenommen werden kann.

Auf der IRL-Webseite werden noch weitere Forschungsthemen präsentiert, die teilweise schon im realen Einsatz sind. Dazu gehören die elektronische Einkaufsliste, der Artikelfinder, der digitale Sommelier und die intelligente Kleiderkabine. Das sind gute Ideen, um den Einkauf vor Ort wieder attraktiver und bequemer zu machen. Allerdings fehlen mir noch die Killerapplikationen, um den Einkauf wirklich zum einmaligen Erlebnis zu machen. Da kann nicht immer Technik helfen.

3 Responses to So sieht der Einkauf im Supermarkt von morgen aus

  1. Sebastian sagt:

    An sich sind schon sehr gute Ideen auch dabei , wie das mit der Käsetheke und in Ansätzen auch die Möglichkeit , den Einkaufswagen nicht ausräumen zu müssen.
    Aber diese Mobile Produktlupe finde ich unnötig.
    Ich sehe da momentan noch kein Sinn dahinter . Jeder reagiert generell anders auf ein Produkt .
    Außerdem steht auf den Produkten drauf wenn es zusätzlich Nüsse o.ä enthalten solte.
    Das Lebensmittel abgelaufen sind im eigenen Kühlschrank deutet ( vorallem wenn das oft der Fall ist) darauf hin das nicht vernünftig oder einfach immer nur zuviel eingekauft wird. Mit der TEchnik wird es dem Menschen nur bequemer gemacht.
    Ich finde , es gibt Grenzen

  2. Hallo Sebastian,

    in der Auflistung ist für jeden etwas dabei, aber sicherlich ist nicht jede Lösung für jeden geeignet.

    Die mobile Produktlupe ist ja schon vielfältig in Einsatz, ob als virtueller Sommelier, als buykott-App http://www.best-practice-business.de/blog/geschaeftsidee/2013/08/14/buycott-app-oeffnet-einem-beim-einkauf-die-augen/) etc. Heute reichen vielen Kunden die Angaben auf der Verpackung nicht mehr aus.

    Gruss

    Burkhard

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