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Jeff Bezos Interview: Amazon ist ein Weltkonzern und gleichzeitig ein StartUp

Jeff Bezos ist keine “Rampensau”. Er meidet eher die Öffentlichkeit. Die Besonderheit: Er verbringt nur ca. 6 Stunden im Jahr damit, im Rahmen von Investor Relations den Investoren (= seinen Geldgebern) in Konferenzen Rede und Antwort zu stehen. Und trotzdem ist die Amazon Aktie ein Highflyer. Woher kommt das, wie seht es aktuell und in Zukunft aus. Über diese und andere Themen sprach Henry Blodget, Mitgründer, CEO und Chefredakteur von Business Insider vor kurzem in einem 50 Minuten-Videointerview mit Jeff Bezos.

In den ersten Minuten des Interviews spricht er über Innovationen und Flops. Der Anlass: Viele bezeichnen das Fire Phone schon als Flop. Jeff geht das viel zu schnell. Aus seiner Sicht müsste man mehrere Jahre warten, um feststellen zu können, ob dieses Produkt wirklich ein Flop sei. Viele Projekte vorher, wie z.B. der Amazon Marketplace, waren zu Beginn ein Flop. Nachdem das Konzept mehrfach geändert wurde, wurde es zum riesigen Erfolg. Das gelte aus einer Sicht auch für das Fire Phone. Und schliesslich muss jedes innovative Unternehmen damit leben, dass es mehr Flops als Topseller produziere. Das mache aber nichts, wenn die Topseller deutlich mehr verdienen würden, als die Flops kosten würden.

Hinsichtlich des Investor Relations hat Jeff Bezos auch eine andere Auffassung als viele seiner CEO-Kollegen. Für Jeff ist der Input viel wichtiger, als der kurzfristige Output (Kennzahlen, Aktienkurs). Aus seiner Sicht müsste sich ein Unternehmen zu Beginn entscheiden, ob es Rockkonzerte oder Ballet veranstalten wolle. Ein Wechsel wäre sehr schwierig. Da aber Amazon immer so agierte wie heute, ist das kein Problem. Deshalb spreche Jeff auch nicht mit den größten Investoren, sondern den Long-Time-Investoren. Die würden wissen, was sie sich einkaufen und auch nicht kurzfristig denken und handeln. Das wären die richtigen Investoren für Amazon.

Jeff Bezos findet es überhaupt kein Problem, dass sich der Amazon-Aktienkurs derzeit seitwärts bewege. Nach dem New Economy Crash sank der Aktienkurs von über 100 USD auf 6 USD. Das sei dramatisch gewesen. Dagegen könnten die Investoren derzeit ruhig schlagen, egal ob sie drei, fünf oder zehn Jahr lang investiert wären. Etwas schwierig sei es, den Investoren zu erklären, dass Amazon sowohl ein Big Player und gleichzeitig (in einigen Bereichen) ein StartUp wäre. Damit könnten längst nicht alle Investoren umgehen. Aber nur so könne ein Big Player langfristig wachsen und erfolgreich sein.

Das nächste Thema der Interviews war der “War of Talents”. Jeff Bezos macht sich im Rahmen dieses Interviews lustig darüber, dass Firmen kostenlose Massagen anbieten würden und Mitarbeiter das als Grund ansehen, bei dieser Firma anzuheuern. Vielmehr sei es wichtig, dass die Mitarbeiter in der Nähe leben könnten. Dank des Urban Campus können 20 % der Amazon-Mitarbeiter zur Arbeit laufen. Das würden die Mitarbeiter mehr bevorzugen als kostenlose Massagen. Und wenn Amazon kostenloses Mittagessen anbieten würde, würde es nicht die faszinierende Food-Truck-Szene in Seattle geben. Und die Mitarbeiter hätten keinen Kontakt zum Rest der Bevölkerung.

Sehr interessant sind auch die Ansichten von Jeff Bezos über den Buchmarkt. Demnach leide die Buchbranche viel weniger an der Piraterie wie andere Medienbranchen, auch dank des Kindle EBooks. Und die Margen der Buchverlagen seien dank des EBooks viel höher als früher. Aber Jeff warnt auch die Branchen. Der Buchmarkt sei in Konkurrenz mit dem Fernsehen, Videospielen etc. Und auch deshalb sei ein Buchpreis von 30 USD viel zu teuer. Zudem würden immer weniger Menschen die Konzentration und Zeit besitzen, stundenlang ein Buch zu lesen. Hier müssten neue Formate und Ideen entwickelt werden, um nicht von den anderen Medienangeboten abgehängt zu werden.

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