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Verifizierung von Social Media Content wird zur Geschäftschance

Jeder von uns ist vermutlich schon einer Fake-Meldung auf Twitter, Facebook und Co. aufgesessen. Insofern entwickelt man sehr schnell eine 7. Sinn dafür, ob eine Meldung wahr oder gefälscht ist. Doch in der „Hitze des Gefächtes“ verlässt einen schnell die 7. Sinn oder man blendet ihn bewusst aus. So geschehen während der „heißen Phase“ der Wirbelsturms Sandy, als Jason Otts auf seinem Facebook-Account ein spektakuläres Foto von der Freiheitsstatue veröffentlicht hat. Auf dem Foto war eine spiralförmige Wolkenwand zu sehen, die direkt auf die Freiheitsstatue zu steuern schien. Schnell stellte sich aber heraus, dass es sich um eine Fotomontage handelte, also einem Fake.

Martin Weigert hat sich durch Fabebookkomentare zu diesem Posting durchgearbeitet und folgende Fakten sowie Meinung kundgetan: „Bis zum Mittwochmorgen wurde sie 631.000 Mal von anderen Facebook-Mitgliedern auf ihren Profilen publiziert….In den Kommentaren zu seinem Foto erklärte Otts, er hätte das Bild von einer Freundin per SMS zugeschickt bekommen, die es von einer anderen Freundin direkt aus New York erhalten habe. Ob dies stimmt, oder ob Otts einfach ausprobieren wollte, inwieweit seine 1139 Facebook-Kontakte sich mit einem selbstgebastelten Augenzeugendokument an der Nase herumführen lassen würden, weiß nur er.“



Bildquellenangabe: Alexander Klaus / pixelio.de

Aber nicht nur wir Nutzer müssen uns täglich mit Fakes beschäftigen, sondern auch die Journalisten landauf landab. Denn viele Zeitungsredaktionen bekommen heute Fotos von Privatpersonen zur Veröffentlichtung angeboten. Aus zwei Gründen müssen die Journalisten die Fotos auf Echtheit überprüfen. Zum einen steht ihre Reputation „auf dem Spiel“. Wofür sollte man einen Journalisten bezahlen, wenn er genauso wie jeder andere auf Fake-Fotos reinfallen sollte? Zum anderen wird i.d.R. viel Geld für die exklusiven Veröffentlichungsrechte solcher Fotos bezahlt. Da will der Verlag sicher gehen, dass das Geld gut angelegt war.

Um sein Können zu zeigen, hat Alexis Madrigal für das Atlantic Journal Fotos vom Wirbelsturm Sandy analysiert und die spektakulärsten Fotos auf ihre Echtheit hin überprüft. Zudem erläutert er, woran man die Fakes meistens gut erkennen kann. In einem sehr guten Blogbeitrag wird z.B. erläutert, wie die Redakteure von ARD, BBC und CNN Fotos und Nachrichten auf ihre Echtheit hin überprüfen. Man kann sich vorstellen, dass solche Experten bald stark gesucht werden.



Bildquellenangabe: Thorben Wengert / pixelio.de

Solch ein bekannter Experte ist Tom Phillips, Journalist und Blogger. Unter “Is Twitter Wrong?“ enttarnt er seit August Fakes. Martin Weigert erläutert das Vorgehen von Philipps im Rahmen einer Erstanalyse: „Bei Fotos reiche es seiner Erfahrung nach häufig aus, eine Google-Bildsuche durchzuführen, um in Erfahrung zu bringen, ob ein Motiv in ähnlicher Form bereits in der Vergangenheit irgendwo im Internet aufgetaucht ist. Viele weitere Maßnahmen zur Bildverifizierung können folgen, kosten dann jedoch schon mehr Zeit.“

Die Situation „schreit gerade danach“, dass sich in Zukunft Social-Media-Detekteien bzw. Ratingagenturen gründen werden, die die Echtheit von Informationen und Fotos überprüfen werden. Eine Erstanalyse können die Redaktionen selbst machen, aber was ist, wenn Unsicherheit darüber besteht, ob das Foto nach erfolgter Erstanalyse echt ist oder nicht? Dann wird man sich bald in naher Zukunft Expertenrat einholen können, entweder in Form von Einzelrechercheaufträgen oder in Form von Abo-Aufträgen. Im Team solch einer Ratingagentur bräuchte man z.B. Computerspezialisten, Fotografen, Mathematiker und Kriminalisten, die gut analysieren und befragen können. Hätte es solch eine Agentur schon zur Zeit des Skandals um die Hitler-Tagebücher gegeben, wäre Stern wahrscheinlich ein großes Fiasko erspart geblieben.

9 Responses to Verifizierung von Social Media Content wird zur Geschäftschance

  1. Johann sagt:

    Hier mal ein Tipp einer Seite, die sich mit Fakes auf Facebook befasst:

  2. […] Jahr 2012 hat der deutsche Blogger Burkhard Schneider prognostiziert, dass die Verifizierung von Social Media Content zu einer lukrativen Geschäftsmöglichkeit […]

  3. […] Jahr 2012 habe ich prognostiziert, dass Verifizierung von Social Media Content zur lukrativen Geschäftschance wird. Wenn es noch einen Beweis für diese These brauchte, dann wurde er jetzt erbracht. Murdochs News […]

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