Marketing auf Probe

Viele Kunden wollen die Produkte eines Anbieters erst einmal testen, bevor sie einen Kauf tätigen. Deshalb gehört nach meinen Erfahrungen das Konzept “Marketing auf Probe” zu den 10 erfolgreichsten Marketingstrategien auf dieser Welt. Da hier im Blog mittlerweile mehr als 100 solcher Erfolgsbeispiele präsentiert wurden, wollen wir unsere Lieblingsbeispiele gerne hier im Überblick vorstellen:

Richtiges Timing: Testfahrt nach Autopanne
Im Rahmen einer Werbekampagne in Brasilien kooperierte ein Chevrolet Autohaus mit einem lokalen Abschleppunternehmen. Das Autohaus brachte nach einem Anruf durch den Abschleppdienst den Testwagen direkt zum Ort des Geschehens, sprich dorthin, wo das Auto des Kunden stehengeblieben war oder zum Abschleppunternehmen selbst, wo der Fahrer mit der Panne “gestrandet” war. Der Kunde des Abschleppunternehmens konnte sofort in den Testwagen einsteigen und mit dem Mitarbeiter des Autohauses auf dem Beifahrersitz zu seinem Wunschzielort fahren. Timing ist fast alles.

Hertz Rent2Buy – Erst (auf Probe) mieten, dann kaufen
Gerade bei Kauf eines gebrauchten Autos will man das Fahrzeug “auf Herz und Nieren” prüfen. Eine kurze Probefahrt ist diesbezüglich nicht immer ausreichend (siehe Beispiel oben). Deshalb kann man bei Hertz, die ihre Mietfahrzeuge nach einer gewissen Laufleistung privat verkaufen, auf der rent2buy-Homepage seinen Wunsch-Gebrauchtwagen aussuchen und bis zu drei Tage testen. Wenn der Wagen den Alltagsstest doch nicht besteht, bezahlt man einfach die Mietgebühr für die drei Tage und fertig. Wenn der Wagen aber gefällt, schließt man einfach den Kaufvertrag ab und muss auch keine Mietgebühr für die 3 Testtage bezahlen.

hertzrent2buy

Hotelparkplatz als Ausgangsbasis für Probefahrten mit Wiesmann-Roadster
Friedhelm Wiesmann hatte zu Beginn der Markteinführung seines Luxusautos eine geniale Idee fast zum Nulltarif. Er fuhr mit seinem fabrikneuen Roadster zum Rothenbaum-Tennis-Turnier nach Hamburg und mietete sich im Interconti-Hotel ein, in dem die meisten Spieler, Sponsoren und Medienvertreter wohnten. Für ein stolzes Trinkgeld bekam er den vordersten Parkplatz direkt am Eingang. Anschließend verbrachte er fast die ganze Woche in der Hotellobby, um jeweils zur Stelle zu sein, wenn sich jemand für das Auto zu interessieren schien. So gelang es ihm, fast alle promenten Tennisspieler zu einer Probefahrt zu begeistern und auch den ersten prominenten Kunden zu gewinnen. Später kooperierte Wiesmann mit vielen Tophotels, in denen die Gäste einen Wiesmann-Roadster zum Test (entgeltlich) ausleihen konnten.

In der U-Bahn Probekapitel via QR-Code lesen
In Kooperation mit dem Verlag Random House wurde in spanischen U-Bahnen Werbefolien an den Fenstern der U-Bahn-Wagen angebracht, auf denen die Neuerscheinungen des Verlages beworben wurden. Die Besonderheit: Via QR-Code konnten die U-Bahngäste jeweils das erste Kapitel dieser 40 Bücher donwloaden und auf dem iPad, iPhone und Co. kostenlos lesen. Besser kann man die Wartezeit in der UBahn nahezu nicht verbringen. Und der Verlag hat Marketing nach dem Motto: “Probe aufs Exempel” gemacht. Wirklich clever.

Geniale Tryvertising-Kampagne von Ikea in der japanischen U-Bahn
Seit Jahrzehnten kann man in U-Bahnen Werbung für seine Produkte machen. Diese Werbung beschränkt sich aber meist auf zweidimensionale Flächen, wie das Fenster oder der Außenbereich. Wie soll man aber so feststellen, ob das Sofa wirklich bequem ist und auch lange hält? Das haben sich die Werbeprofis von IKEA Japan wohl auch gedacht und sich im Jahr 2008 für eine besondere Form von U-Bahn-Werbung entschieden. Sie haben anlässlich der Neueröffnung eines IKEA-Möbelhauses in Japan ihre Sitzmöbel einfach in die U-Bahnen vor Ort einbauen lassen. Im Jahr 2010 starte Ikea Frankreich eine ähnliche Aktion, nur dieses Mal wurden die Möbel in einer U-Bahn-Station platziert.

Im La Baracca kann man 80 Weine kostenlos probieren
Im Restaurant La Baracca kann man seinen Wein direkt an einer Weinbar “zapfen”. Es gibt dort mehr als 80 Weine zur Auswahl. Ein Probeschluck ist umsonst, so dass man zuerst antesten kann, ob der Wein auch wirklich einem schmeckt und man Geld dafür ausgeben will. Zudem kann sich der Kunde auch nachschenken lassen, ohne auf einen Weinkellner warten zu müssen.

Pure Tea köderte viele Jahre seine Kunden als Tea Tester
Heute haben Abo-Angebote von Onlineanbietern Hochkonjunktur. Dabei wurde die Idee schon vor vielen Jahren (auf verschiedene Art und Weise) erfolgreich umgesetzt, nämlich zum Beispiel vom PureTea-Onlineshop. Die Tea Tester erhielten nach Zahlung des Jahresbeitrages viermal im Jahr vier Teeproben zu je 10 g. Wenn man alle Testberichte abgegeben hatte, erhielt man als Belohnung die 10 EUR in Form eines Einkaufsgutscheines bei PureTea zurück. Die Testergebnisse wurden im Web veröffentlicht und der jeweilige Siegertee ausführlich vorgestellt. Auch wenn es das Angebot heute nicht mehr gibt, finde ich die Idee dahinter genial. Auch heute könnten sich noch zahlreiche Onlineshops davon inspirieren lassen.

Douglas-Adventskalender bietet 24 Tage lang jeweils eine Produktprobe an
Douglas ist schon lange dafür bekannt, dass bei jedem Kauf Produktproben verschenkt werden. Seit einigen Jahren bringt die Parfümerie zusätzlich Adventskalender unter Mann und Frau an. Die Preisbandbreite der Douglas Adventskalender liegt zwischen 19,99 und 29,99 EUR. Das ist ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass die Produktproben einen Gegenwert von mehr als 100 EUR haben können. Das ist ein perfektes Verkaufsargument. Zudem sind die Adventskalender auch perfekte Marketinginstrumente. Denn die Chance ist groß, dass die beschenkte Kundin wiederkommt, um die Produkte in Großpackungen zu kaufen.

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Im Club-C können Mitglieder neue Kosmetikprodukte ausprobieren
In den Räumlichkeiten des japanischen Club-C kann man seit 2007 die Kosmetik verschiedener Hersteller ausprobieren. Besonders ist, dass im Club-C keine Produkte verkauft werden. Und womit verdient der Club-C sein Geld? Die Kosmetikhersteller müssen eine “Präsentationsgebühr” bezahlen. Zudem bezahlen Marktforscher für Umfrageergebnisse unter den Besuchern. Und eine Mitgliedsgebühr wird von den Nutzern auch erhoben. Dieses Grundidee ist Basis für zahlreiche Copy Cats auf der ganzen Welt und wurde mittlerweile auch „webisiert“.

Materialproben-Dauerausstellung als Basis für eine Geschäftsidee
Wie kann man sich als junger, selbständiger Architekt heute noch lukrativ positionieren? Diese Frage stellten sich Hannes Bäuerle und Joachim Stumpp noch während ihres Architekturstudiums. Die Lösung war der Aufbau einer Dauerausstellung für Baumaterialen in Stuttgart, die im Jahr 2005 eröffnet wurde. Mittlerweile können die Besucher (Architekten, Handwerker, Generalbauunternehmer, Ingenieurbüros, Messebauer, Designer sowie Industrie und Handel) mehr als 10.000 Materialproben vor Ort besichtigen. Das Einnahmemodell ist clever: Die Hersteller zahlen für die Aufnahme in die Dauerausstellung eine Gebühr. Die Besucher können gegen eine geringe Mitgliedsgebühr (ab 69 EUR pro Jahr) ein ganzes Jahr in dem großen Fundus stöbern.

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