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Brandless verkauft Produkte des täglichen Bedarfs zum Einheitspreis

Vor mehr als zwölf Jahren sorgte die Firma e.l.f. Cosmetics für viel Furore, als sie mit ihrer Eigenmarke jedes Kosmetikprodukt für einen US Dollar verkaufte. Die Kunden waren begeistert, weil die Produkte trotz des günstigen Preises sehr hochwertig (und zudem ökologisch unbedenklich) waren. Bis heute geht das Konzept der Gründer dieses Kosmetikunternehmens auf, auch wenn mittlerweile viele Produkte mehr als einen US Dollar kosten. Heute gibt es zahlreiche Unternehmen, die neben klassischer Werbung auf viele unnötige Kosten verzichten, um Produkte mit gute Qualität zu möglichst niedrigen Preisen verkaufen zu können.

Dazu gehört seit wenigen Tagen auch Brandless. In diesem Onlineshop können die Kunden fast alle Produkte des täglichen Bedarfs kaufen, ohne „Marken-Preisaufschlag“. Die Besonderheit: Der Verkaufspreis aller Produkte beträgt 3 US Doller. Der Anspruch der Gründer ist, dass die Kunden bei Ihnen eine gute Qualität zum bestmöglichen Preis erhalten. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass alle Produkte (z.B. im Gegensatz zu Dollar Shops) von einer Marke stammen: Brandless. Natürlich werden die Produkte von ganz verschiedenen Herstellern produziert, aber eben nur unter einer Marke (Brandless) verkauft, ähnlich wie bei Eigenmarken der Discounter und Supermärkte.

Warum haben sich die Gründer für diese Einpreis-Strategie entschieden? Weil sie glauben, dass die Kunden das Einfachheitsprinzip (Einheitspreis) schätzen werden. Ehrlich gesagt finde ich es aber relativ aufwendig, die Verpackungsgröße entsprechend zu varieeren, um diesen Einheitspreis realisieren zu können. Relativ clever dagegen finde ich, dass das Design der Verpackungen dem von IKEA ähnelt. Schliesslich wissen die Kunden, dass IKEA gute Produkte zu günstigen Preisen anbietet. Eine clevere Trittbrettstrategie, wie ich finde. Und dass die Kunden es schätzen, nur ein Produkt pro Kategorie angeboten zu bekommen, hat schon ALDI eindrucksvoll bewiesen.

Sehr clever finde ich auch, dass Brandless dem Kunden im Warenkorb vorrechnet, wieviel Geld er ungefähr gespart hat, weil er bei Brandless keinen „Markenaufschlag (Brandless spricht von BrandTax)“ bezahlt. Dafür hat das Brandless-Team die Preise von fünf Händlern, die vergleichbare Markenartikel verkaufen, gesammelt und mit den Brandless-Preisen verglichen. Das grundsätzliche Resultat lautet: Die Kunden zahlen im Durchschnitt 40 % mehr für Markenprodukte als für No-Name Produkte mit vergleichbarer Qualität. Bei Beauty-Produkten sind es sogar 370 % mehr.

Um eine hohe Kundenbindung zu erzielen, bietet Brandless von Beginn an die B.More-Mitgliedschaft an. Für eine Jahresgebühr von 36 USD erhalten die Kunden die Produkte kostenlos geliefert (ab einem Bestellwert von 48 statt 72 USD pro Lieferung) und erhalten auf viele Produkte Mitgliedsrabatte. Weiterhin wird ein Teil der Gebühr an Feeding America gespendet, um 10 kostenlose Mahlzeiten pro B.More-Mitglied zu ermöglichen. Ansonsten wird pro Kunde, der Nicht-Mitglied ist, eine Mahlzeit gespendet. Schliesslich soll der Kunden bei jedem Einkauf ein gutes Gewissen zusätzlich geschenkt bekommen.

Sehr erwähnenswert an diesem Start-Up finde ich, dass gleich zu Beginn ein solch riesiges Sortiment an auschliesslich Eigenmarken im Onlineshop angeboten wird. Ich persönlich hätte erst einmal mit einer Produktkategorie begonnen (ähnlich wie Amazon erst mit Büchern begann, bevor es erst viele Jahre später zum Vollsortimenter wurde) und anschliessend das Sortiment langsam um weitere Kategorien erweitert. Dabei hätte ich zuerst Produkte mit hoher „BrandTax“ und langer Haltbarkeit gewählt. Ansonsten kann die Gefahr bestehen, sich zu schnell zu verzetteln, was bei einem Start-Up-Vorhaben sehr gefährlich sein kann.

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