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Buchbesprechung: Das Startup-Buch der mymuesli-Gründer

Die Zeit vergeht. Am 30. April 2007 ging mymuesli.com online. Einen Tag später haben wir als einer der ersten über dieses Start-Up berichtet und in den ersten Jahren diese außergewöhnliche Gründerstory intensiv hier im Blog begleitet. In den letzten Jahren habe ich mymuesli etwas aus den Augen verloren und mir vorgenommen, zum zehnjährigen Jubiläum einen Rückblick zu wagen. Diese Arbeit haben mir dann aber die drei Gründer dankenswerter Weise abgenommen, indem Sie pünktlich zum kleinen Firmenjubiläum das Taschenbuch „Machen!: Das Startup-Buch der mymuesli-Gründer“ herausgebracht haben.

Meine erste Idee, als ich das Buch jetzt endlich durchgelesen habe, bestand darin, die 10 wichtigsten Erkenntnisse und Tipps in einem Artikel zusammenzufassen. Zum Glück habe ich das nicht gemacht, denn diese Arbeit hat mir Lisa Hagemann mit dem sehr lesenwerten t3n-Artikel „Jede Startup-Geschichte hat Schwächen“: Was ihr von den Mymuesli-Gründern lernen könnt“ abgenommen. Das ist ein schönes Beispiel, dass man nicht einfach nur was machen sollte, sondern vorher gerne erst einmal recherchieren sollte. Damit widerspreche ich nur vordergründig dem Mantra dieses Buches: „Machen“! Denn letztlich sagen die mymuesli-Gründer in ihrem Buch nur, dass man nicht zu lange nachdenken sollte, bevor man loslegt.

Ist das Buch nun ein Gründer-Ratgeber mit revolutionären, einzigartigen Erkenntnissen? Nein, wie ja auch schon Lisa Hagemann in ihrem Artikel festgestellt hat. Ist es deshalb trotzdem lesenswert? Auf jeden Fall! Denn die Autoren zeigen auf, dass Schwächen erlaubt sind, wenn man weiß, wie man damit umgehen kann. Zudem sind die myMuesli Gründer heute auch Investoren. Und um zu verstehen, ob sie die passenden Investoren für mein Food-Start-Up sein könnten, hilft dieses Buch auf jeden Fall weiter. Das Buch leistet aber vorwiegend den Beitrag, die nicht „ganz gerade Gründerstory“ von mymuesli besser zu verstehen. Ich habe als Beobachter lange nicht verstanden, warum die mymuesli-Gründer Ladengeschäfte eröffnet haben, in denen man nicht sein eigenes Müsli zusammenstellen kann (das Mymix-Prinzip ist nach meinem Verständnis doch schliesslich die DNA des Unternehmens).

Im Buch erläutern die drei Gründer sehr erfrischend, dass sie 2009 eigentlich einen Bio-Imbiss gründen wollten und deshalb in Passau auf die Suche nach einem Mini-Ladengeschäft gegangen sind. Diese Idee zerschlug sich und da mymuesli 2009 schon einige Fertigmüslis (Mischen impossible) verkauften, kamen sie auf die Idee, mit einem eigenen mymuesli-Laden Erfahrungen zu sammeln. Damals konnten sie sich nicht vorstellen, dass daraus 50 Läden werden würden. Das liegt auch daran, dass der „Offline-Ausflug“ eben keine reine Marketingmaßnahme war. Das hätten sich die Gründer auch finanziell nicht leisten können. Vielmehr bauten sie einen weiteren rentablen Vertriebskanal auf. Diese Erfahrungen halfen ihnen enorm dabei, als ihre Fertigmischungen „von der Stange“ auch in Supermärkten gelistet wurden. Und letztlich kommt auch mit Online-Marketing auch heute noch an seine Grenzen.

Genau deshalb ist das Buch aus meiner Sicht ideal für alle geeignet, die in den stationären Einzelhandel einsteigen wollen. Und letztlich sollten alle das Buch lesen, die Anregungen erhalten wollen, wie der Aufbau eines Unternehmens auch nach zehn Jahren noch viel Spaß machen kann. Man darf nie die Lust verlieren, etwas Neues auszuprobieren, (aber nur) wenn man in der Lage ist, bei Mißerfolgen auch schnell die Reißleine zu ziehen. Und man sollte alles in Frage stellen, außer den Markenkern. Und wenn man nicht weiter weiß, helfen einem fast immer die Kunden (wenn man Sie um Rat fragt) oder externe Experten weiter. Erfrischend ehrlich erläutern die drei Gründer, wie schnell sie beratungsresistent wurden und dass ein externer Coach ihnen dabei half, nicht auseinander zu driften.

Eine kleine Vorwarnung: Die ersten siebzig Seiten sind super spannend. Zwar kennt schon fast jeder die Gründerstory von mymuesli. Aber dass die Gründer mit ihren ersten Start-Up-Aktivitäten scheiterten oder nicht den erhofften Erfolg hatten, wussten wenige. Im Mittelteil driftet das Buch leider etwas ab (zu oberflächlich, zu viele Allgemeinplätze, zu austauschbarer Inhalt). Aber spätestens ab Seite 180 nimmt das Buch „wieder enorm Fahrt auf“. Schade, hier hätten sich die Autoren noch mindestens auf weiteren 50 Seiten richtige „austoben“ können und mehr darüber schreiben sollen, wie man sich als Mittelständler immer wieder neu erfindet (aber das ist ja nicht die Intention eines Start-Up Buches und bietet die Möglichkeit für ein Nachfolgewerk :-)). Dass zum Beispiel die drei Gründer an verschiedenen Orten (Berlin, München, Passau) wohnen, ist kein Nachteil, sondern gibt jedem die nötigen Freiheiten, ohne dass die enge Verbindung abgebrochen ist.

Zum Schluss habe ich auch ehrlich gesagt einen Ausblick auf die nächsten Jahre vermisst (inkl. einiger Trendvoraussagen). Aber genau das ist nach das Ding der drei mymuesli-Macher. Und deshalb ist es besser, dass sie mit diesem Buch „Ihr eigenes Ding“ gemacht haben. In vielen Punkten waren die Bootstrapping-Anhänger ihrer Zeit voraus (Mass Customization, Crowdsourcing und Lean StartUp), aber zum Glück nicht zu lange voraus. Und zum Glück haben sie nicht am Anfang auf die Experten gehört, die fast alle die Geschäftsidee als Spinnerei abstempelten. Auf das Timing kommt es eben an, egal, ob man die Experten oder Kunden fragt. Und eben darauf, etwas zu machen! Klingt sehr banal, aber nach der Lektüre des Buches versteht man, warum die Gründer genau diesen (etwas austauschbaren) Titel gewählt haben. Auch wenn einige Inhalte austauschbar sind, das Buch ist einmalig gut! Lesen!

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