In Serie "Geschäftsideen finden"

Neue Geschäftsideen finden (12): Copycat – Ideen aus dem Ausland kopieren

Es gibt den Spruch „Besser gut kopiert als schlecht selbst gemacht!“. Davon lassen sich viele Gründer inspirieren und gehen im Ausland auf der Suche nach guten Geschäftsideen- und konzepten, um sie anschließend in Deutschland umsetzen zu können. Der Vorteil dieser Strategie ist, dass sich das Konzept schon in einem anderen Markt bewährt hat und das Risiko geringer ist, mit dieser Idee in einem anderen Land zu scheitern. Zudem kommt man leichter an Investorengelder, wenn man den Proof of Concept in einem anderen Land schon vorweisen kann.

Es gibt Gründerschmieden, wie die von den Samwers, die sogar grundsätzlich nur dann ein Copy Cat aus dem Boden stampfen, wenn das Original zuvor Investorengelder einsammeln konnte. Und häufig prüfen solche Copy Cat Schmieden, ob man nicht evtl. auch später das Unternehmen an das Original wieder verkaufen kann oder mit ihm fusioniert, um dann im besten Fall an die Börse zu gehen. Groupon ist ein gutes Beispiel für dieses Vorgehen. Auch wenn häufig über Copy Cat Strategien von Web-StartUps berichtet wird, so gibt es auch in fast allen Branchen und das zum Teil schon seit Jahrzehnten solch ein „Brain Train“.

Allerdings ist es gar nicht so einfach, ein Copy Cat zum Erfolg zu führen. Zum einen kann jeder auf diesen „Zug aufspringen“. Man muss schon schnell und gut sein, um sich im Rahmen der Copy Cat Konkurrenz durchsetzen zu können. Zum anderen muss die Besonderheiten in jedem Land berücksichtigen. Eine 1:1 Kopie ist selten von Erfolg gekrönt. Und zudem kann das Original auch in die betreffenden Länder expandieren (Beispiel Facebook) und dadurch dem Copy Cat nachhaltig das Geschäft abgraben. Letztlich leiden Copy Cats häufig unter dem negativen Image, nur etwas abgekupfert zu haben.

Good Eggs
Von einigen Jahren startete in den USA der Online-Lieferdienst Good Eggs, der Lebensmittel aus der Region, egal ob von Bauern oder regionalen Lebensmittelmanufakturen, nach Hause liefert. Alles hat mit San Francisco begonnen. Das Angebot kam gut an und auch Investoren stiegen ein. So konnte es nicht überraschen, dass die Samwers mit Bonativo ihr Glück in Deutschland versuchen. Es hat mehr als zwei Jahre gedauert, bis der Copy Cat nach Deutschland kam. Die Samwers lassen sich bewusst Zeit, denn sie warten, bis Investoren ins Original eingestiegen sind.

Bag Borrow & Steal
Im März 2006 habe ich erstmals über “Bag Borrow or Steal” berichtet, die als erste Geschäftsidee Handtaschen zum Flatratetarif verliehen haben. Im nächsten Schritt haben sie ihr Geschäftsmodell geändert und verkaufen Handtaschen für Clubmitglieder zu Vorzugskonditionen. Es können auch noch Handtaschen gemietet werden, aber nicht im Netflix-Flatrate-Stil. Davon haben wohl die ersten Copy Cats in Deutschland nichts mitbekommen und zuerst das ursprüngliche Geschäftsmodell in Deutschland angeboten. Spätere Copy Cats haben dann das weiterentwickelte Geschäftsmodell übernommen. Dieses Beispiel zeigt, dass man natürlich viel Lehrgeld bezahlt, wenn man eine Geschäfsidee zu früh kopiert.

Krautreporter: Von der Crowdfundingplattform zum Abo-Magazin
Sebastian Esser ließ sich vom Erfolg von Spot.us, der amerikanischen Crowdfundingplattform für journalistische Projekte, inspirieren und startete vor einigen Jahren das deutsche Copy Cat „Krautreporter“. Da die Idee hier nicht so zündete, ließ sich Esser von einem anderen Copy Cat neu inspirieren, der Crowdfunding-Onlinezeitschrift “De Correspondent” aus den Niederlanden. Die Moral von der Geschichte: Auch mit Copy Cats kann man mehrere Anläufe versuchen. Und nicht nur in den USA gibt es gute Vorbilder.

Holi Festival
Im Jahr 2011 nahm Jasper Hellmann im indischen Delhi an dem Holi-Fest teil. Mit diesem Fest feiern die Inder den Beginn des Frühlings, indem sie die Teilnehmer mit bunten Farbbeuteln bewerfen. Aber warum soll es dieses Vergnügen nur in Indien und nur an einem Tag im Jahr geben? Diese Frage stellte sich Jasper Hellmann und veranstaltete zusammen mit seinen zwei Gründungspartnern Max Riedel und Maxim Derenko am 29. Juli 2012 das erste Holi Festival of Colours in Berlin. Die Veranstaltungsreihe tourt mittlerweile neben Deutschland auch in anderen europäischen Ländern sowie durch Afrika, Südamerika, Asien und Australien. Im Schnitt können pro Veranstaltung 10.000 bis 20.000 Teilnehmer gezählt werden. Das ist ein schönes Beispiel, wie auch eine Non Profit Idee zur erwerbswirtschaftlichen Geschäftsidee weiterentwickelt werden kann.

Zwei Deutsche erobern mit Döner-Schnellrestaurants die USA
Die Deutschen Michael Heyne und Dominik Stein haben gemeinsam an der University of Texas in Austin BWL studiert. Beide haben schnell Heimweh bekommen, weil ihnen einige kulinarische Köstlichkeiten fehlten, mit denen sie aufgewachsen sind. Deshalb kamen Sie auf die Idee, nach Ende Ihres Studiums ein Döner-Schnellrestaurant in den USA zu eröffnen. Dafür unternahmen Sie eine Studienreise nach Berlin, um einen Döner nach dem anderen zu probieren. Nach drei Jahren Vorbereitung eröffneten sie im August 2011 das erste Döner-Schnellrestaurant in Austin / Texas. Mittlerweile ist daraus eine erfolgreiche Döner-Restaurantkette auch über Texas hinaus geworden. Dieses Beispiel zeigt, dass die Copy Cat Welle auch umgekehrt fließen kann.

Die komplette Serie „Neue Geschäftsideen finden“ können Sie hier lesen.

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